
Während der Schulzeit wurde mir die Fragilität eines friedlichen Zusammenlebens innerhalb Familien aber auch zwischen verschiedenen Ethnien und Kulturen eindrücklich bewußt. Die Idee einer gleichberechtigten Weltgemeinschaft, die Achtung der Menschwürde und Menschenrechte erschien und erscheint bis heute ebenso fragil und zu oft beschämend utopisch. Die Frage, wie sich unsere Gesellschaft in Deutschland, Europa und global verantwortungsvoll und nachhaltig entwickeln könne, läßt mich seit der Schulzeit nicht mehr los, fordert mich als Mensch heraus und motiviert meine musikalische Arbeit.
Die Auseinandersetzung mit meiner lokalen Familiengeschichte, Reisen und der Dialog mit anderen Kulturen und Religionen verdeutlichte mir während der Studienzeit die Möglichkeiten von Musik, insbesondere für mich der Jazz, diesen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit Reflexions- und Dialogräume zu eröffnen. Die Musiksprache des Jazz und seine nordamerikanischen Wurzeln im Blues, den Spirituals und den Gospels sind geprägt von individueller Emotionalität und Spiritualität: Klage und Protest verbinden sich mit Erlösungshoffnungen und mit futuristischen Utopien. In meinem 2024er Essay über Jazz und Spiritualität habe ich dies skizziert.
Jazz habe ich erlernt und durch andere Musikerinnen und Musiker als eine Musizierhaltung begriffen, die sich dialogisch und improvisatorisch gemeinschaftlich gestalterisch entwickelt und dabei Kreativität, Vertrauen und Solidarität einfordert und dies sogar bei den Zuhörenden ebenso inspirieren kann. Dies sind Qualitäten die ganz lokal, von Konzert zu Konzert entstehen, und deren gesellschaftliche Nachwirkungen am Leichtesten biografisch oder an der Geschichte einzelner Lieder begreifbar werden. Ohne Musik wäre nicht nur mit Nietzsche “das Leben ein Irrtum” sondern auch die Grundfesten unserer Existenz, unsere Lebenshaltungen und Lebensweisen in Verbundenheit mit der ganzen Welt um viele Erfahrungen ärmer.
Seit meiner Berufsausbildung als Musiker habe ich daher meine musikalische Arbeit in Konzerten und in der Lehre mit gesellschaftlichen und spirituellen Fragestellungen verbunden, und Netzwerke angeregt und unterstützt. Prägend war die Gründung und Mitwirkung im Künstlerkollektiv Renewal Arts von 1999-2010 - heute CAUX ARTS PEACE ENCOUNTERS) und, nach meinem Eintritt in die protestantische Kirche, Arbeiten im Verbund mit christlichen Künstlerkollektiven im angelsächsischen und deutschsprachigen Raum. Das Netzwerk BLUE CHURCH habe ich gemeinsam mit Pfarrerinnen und Pfarrern um Matthias Krieg 2017 in Zürich gegründet um die dialogische Qualität von Jazz als eine transkulturelle Musiksprache der Freiheit mit Kirchräumen und ihren liturgischen Traditionen zu verbinden. In dem 2019 begonnenen Global Songbook Projekt verbinde ich Liedschaffende aus Ländern aller Kontinente, die sich aus christlicher Perspektive mit den Themen Pilgerschaft, Freiheit und Gerechtigkeit auseinandersetzen. Meine komponierten Werke für größere Besetzungen erwuchsen aus diesen Initiativen und in meiner Tätigkeit als Kirchenmusiker für die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern verbindet sich nun vieles aus diesen Erfahrungen: Kirchenmusik heißt für mich: im gemeinsamen gestalten und Erleben von Musik die Beziehung zu "unserem Gott" zu vertiefen - in Gottesdiensten, kirchlichen Festen und in der Natur.
Werkliste von Suiten für größere Besetzungen: